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	<title>Kränholm</title>
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		<title>Kammerkonzert : Stichworte</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 08:28:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lesum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Schloß Schönebeck, Konzertsaal in lindgrün; alte Standuhr an der Garderobe; eine alte Stehlampe sorgt für Wohnzimmerathmospähre ; in Nachbarräumen die Ausstellung über bürgerliche Wohnkultur und die über den Afrikaforscher Gerhard Rohlfs. Über dem Saal die Ausstellung über Fischerei und Walfängerei. Manfred Hausmann: Alte Musik Die Noten sind aufs Cembalo gebreitet, die Gambe ist, die Flöte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=46&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schloß Schönebeck, Konzertsaal in lindgrün; alte Standuhr an der Garderobe; eine alte Stehlampe sorgt für Wohnzimmerathmospähre ; in Nachbarräumen die Ausstellung über bürgerliche Wohnkultur und die über den Afrikaforscher Gerhard Rohlfs. Über dem Saal die Ausstellung über Fischerei und Walfängerei.</p>
<h2><a name="top">Manfred Hausmann:</a><br />
Alte Musik</h2>
<p>Die Noten sind aufs Cembalo gebreitet,<br />
die Gambe ist, die Flöte zubereitet,<br />
drei Flammen schweben über ihrem Docht.<br />
Der Gram des Tages dämpft sich und der Wille,<br />
und wir versinken in der großen Stille,<br />
zu der die Stunde sich vermocht.</p>
<p>Und nun ereignet sich der Augenblick<br />
des Anfangs wie ein schmerzliches Geschick,<br />
da wir von aller freien Lust uns trennen<br />
und uns ergeben diesem Strengen ganz,<br />
dem tief Geheimen, dessen Ton und Glanz<br />
zu schwierig ist, um ihn zu nennen.</p>
<p>Einsamste Weltennacht um uns. Wir ziehen dahin<br />
mit den verschlungnen Melodien.<br />
Schwermütig denkt die Gambe ihren Traum,<br />
die Flöte singt das Sehnen und das Irren,<br />
aber das Cembalo mit zartem Klirren<br />
streut Sterne in den leeren Raum.</p>
<p>Und es geschieht ein sphärischer Gesang,<br />
selig in sich und fern und todesbang,<br />
und wird wie durchsichtig in seinem Wehen,<br />
weht immer noch und dauert seine Frist,<br />
und jeden überläuft es, und es ist,<br />
als habe Gott hindurchgesehen.</p>
<p>Und dann zerbricht&#8217;s und fällt und geht zu Ende.<br />
Schwer legt das Schweigen sich auf unsre Hände.<br />
Wir sitzen atmend da in Glück und Scham.<br />
Wie gut wir uns auch waren beim Beginnen,<br />
ach, jetzt gehören wir uns ganz da innen<br />
so anders noch und wundersam.</p>
<p>Personal:<br />
Thomas Langrehr (ca. 14) im Konfirmandenanzug; seine Angst, im Konzert laut zu schlucken<br />
seine Mutter, Frau Langrehr<br />
Ralf Blendermann (Kritiker)<br />
Der Herr im Frack. Gestalt wie aus einer Erzählung E.T.A. Hoffmanns (Archivarius Lindhorst, z.B.). Th. betrachtet ihn genau, um sich Gesten und Kleidung zu merken. Großer grauer Mantel mit Überwurf im Stil des Biedermeiers; &#8222;Staatswams&#8220;. Gehstock mit silbernem Knauf &#8211; Th. betrachtet traurig seinen eigenen Faltschirm.<br />
Publikum: ganz überwiegend alt und mehr Damen als Herren, gutbürgerlich, halten sich unter der Hand für den Adel des Ortes; begrüßen sich über die Köpfe von Thomas und seiner Mutter hinweg, was diese maßlos ärgert. („Auf der anderen Seite der Straße.“)<br />
Die Musiker</p>
<p>„Das tut er nur für seine Musik“, pflegte Frau Langrehr zu sagen, sobald der Herr im Frack auftauchte. Sie hatte die Begabung, solchen Äußerungen einen Nachdruck und eine Gewißheit zu verleihen, daß Thomas nicht umhin kam anzunehmen, sie wisse dies aus erster Hand und sei mit dem Herrn in engster Vertrautheit. Nur ihre Diskretion und die Aura des beginnenden Konzertes geböten es, ihn, den sie in Wahrheit natürlich nicht einmal dem Namen nach kannte, niemals anzusprechen.</p>
<p>„Ach, das ist in A-Dur? Wie schön, A-Dur ist immer so positiv!“ kam es von hinten.</p>
<p>Die Panik von Frau Langrehr, zu früh, etwa nach einem mittleren Satz, zu klatschen. Sie schaut ängstlich aber auch mit Stolz auf die kleinen Fingerzeige ihres Sohnes, die ihr bedeuteten, wann der rechten Moment für einen enthusiastischen Applaus sei.</p>
<p>Worpswede war fühlbar nahe. So überwog denn, zumal bei den älteren Damen, der schlichte Haarknoten, das handgewebte Reformkleid von Harjes – dem letzten Lieferanten standesgemäßer Bekleidung aus dem nahen Vegesack – und nur ein leiser Hauch von Parfum war gelegentlich spürbar. Auch Frau Langrehr trug nur eine Ahnung von Chanel No. 5 über der Kernseife.</p>
<p>Ein Herr im grauen Anzug bohrte in der Nase, betrachtete das Ergebnis, schnippte es fort und legte den Kopf wieder schräghalsig auf Zeige- und Mittelfinger.</p>
<p>An der linken Wand, gleichsam im Chorgestühl, saß Ralf Blendermann und notierte lächelnd seine kenntnisreichen und dennoch stets freundlichen Kritiken für die Lokalzeitung des übernächsten Tages.</p>
<p>Hauskonzert des Bremen-Norder Bügertums.</p>
<p>„Noch eine Bendrin“, raunte Frau Langrehr ihrem Sohn zu. &#8230;</p>
<p>Die Dame, die an der Kasse gesessen hatte, ging zum Lichtschalter und drehte mit einem stolzen Lächeln das Licht langsam aus – eine technische Neuerung, die vom Publikum mit einem belustigten, aber wohlwollenden „Ah!“ und „Oh!“ bedacht wurde.</p>
<p>Das Konzert begann mit einer langweiligen Triosonate von Mozart.</p>
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		<title>Kammerkonzert : formulierte Abschnitte</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 08:21:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lesum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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<dl class="wp-caption alignnone">
<dt class="wp-caption-dt"></dt>
</dl>
</div>
<p>Ein bartloser Jüngling, gekleidet mit einem Konfirmationsanzug aus der Jugendabteilung des städtischen Kaufhauses, stand an der Kasse des örtichen Heimatmuseums, um für sich und seine Mutter Karten für das Kammerkonzert zu kaufen, das in einer haben Stunde beginnen sollte. Man hatte die Kasse mit einem Tisch aus der Walfangabteilung des Obergeschosses improvisiert, und was sonst ein Piedestal für Harpunenspitzen war, trug heute eine Geldkassette und drei Rollen Abreißkarten. Hinter dem Tisch saßen gleich zwei ältere Damen, wie sie zum Fundus ehrenamtlicher Mitglieder jedes Heimatvereins zählen. Da das nahende Konzert aus der Routine des Museumsbetriebs erheblich herausragte, waren sie beide ein wenig mehr als sonst aufgeputzt und ein wenig ehr als sonst aufgeregt. Beide trugen sie Tücher, die das Arbeitsergebnis des Abtikkurses aus dem vergangenen Sommer in heiteren Farben vorstellten.</p>
<p>&#8222;Hast Du Deinen Schülerausweis, Thomas?&#8220;, fragte seine Mutter. &#8222;Ja doch.&#8220; Thomas war mit seinen Blicken zehn Meter voraus und einhundertfünfzig Jahre zurück. Die Ursache war ein alter Mann, ein Männlein eher, der vor dem Garderobenspiegel stand und seine Kleider ordnete. Er hatte eben einen wahrhaftigen Zylinder, einen Gehstock mit Silberknauf und einen ärmellosen Mantel an der Garderobe abgelegt und rückte nun behutsam seine Schleife gerade. Er trug einen Backenbart, der bis auf die Spitzen seines Hemdkragens hinabreichte. Das Hemd verschwand seinerseits unter dem pelzverbrämten Revers eines Gehrocks.</p>
<p>Bisweilen gingen sie ins Konzert.<br />
Thomas hatte an einem Garagentor in der Umgebung die Ankündigung gelesen: Schönebecker Schloßkonzert am Sonntag in vier Wochen. Karten an der Konzertkasse oder in den bekannten Buchhandlungen. Die Professoren der örtlichen Musikhochschule spielten Kammermusikwerke der Klassik, der Romantik und des Impressionismus.<br />
Daß stets Kammermusik gespielt wurde, war der Begrenztheit des Raumes geschuldet. Die Beschränkung des Kanons auf die Epochen von Barock bis höchstens Impressionismus hingegen hing mit der gleichfalls festen Zusammensetzung des Publikums zusammen, das sich beinahe ausschließlich aus der fußläufig erreichbaren Bourgeoisie rekrutierte – das gelegentliche Auftauchen von Fahrzeugen aus der nahen Metropole gab den Veranstaltungen eine schon international scheinende Anmutung. Auf diese Weise hatte die Atonalität ihre krummen Finger noch nicht auf dieses Haus auszustrecken vermocht, von den vorübergehenden Unpäßlichkeiten der beteiligten Musiker jedenfalls einmal abgesehen.<br />
Jeder kanonischen Epoche kam eine festgefügte Aufgabe in den Schloßkonzerten zu. Konnte man mit dem Barock lässig und nachsichtig auf eine von der eigenen Klasse gleichsam überwundene Zeit zurückblicken, so wurde es ernst mit dem ersten Tone eines klassischen Werkes: „Das sind jetzt wir!“, zeigten die Hälse, die sich merklich strafften und die Hände, die gefaltet in den Schoß sanken, nachdem sie die nunmehr überflüssigen Programmzettel beiseite gelegt hatten. Mit der Romantik dann kam das Leiden in das Leben der Zuhörer. Köpfe wurden schräger gelegt. An Mund, Augen und Stirn zeigten sich Spuren kulturvollen Kummers und banger Sehnsüchte. Die Blicke derer, die günstig saßen, schweiften durch die ständige Ausstellung bürgerlicher Wohnkultur im Nachbarraum und griffen durch die Fenster nach den kahlen Ästen der Kopfweiden am Schloßteich. Ja, dort draußen befand man sich wahrhaftig in geistiger Wanderschaft auf der Suche nach der verlorenen Müllerin. Diese Werke boten noch die Erlösung eines warmen Schlußakkordes – und manchem schauderte bei dem Gedanken, daß nach dieser Epoche keine Erlösung mehr zu erwarten sei – aber schon hier kam der Trost spät, ach so spät</p>
<div class="mceTemp">
<dl class="wp-caption alignnone">
<dd class="wp-caption-dd">Schönebecker Schloß, Freitreppe</dd>
</dl>
</div>
<p>Die Konzerte begannen stets um 17 Uhr und dauerten nicht mehr als allerhöchstens zwei Stunden. Das erlaubte die nahtlose Einpassung in den Tagesablauf zwischen Kaffee und Abendessen. Die Pause konnte, wenn das Wetter dies erlaubte, im Garten des Schlosses verbracht werden, sonst aber in den Ausstellungsräumen, die neben der erwähnten Wohnkultur Einblicke in die örtliche Fischerei, die frühesten Siedlungsspuren der Umgebung, in das Handwerk des Klöppelns oder in die Bibliothek des Naturforschers Gerhard Rohlfs gaben. Zu gegebenen Jahreszeiten waren noch Sammlungen handbemalter Ostereier oder Weihnachtskrippen aus aller Welt zu betrachten. Thomas liebte dieses Sammelsurium unterschiedlichster Exponate, wie sie so liebevoll nur in kleinen Heimatmuseen zusammengetragen werden. Zur Fischereiausstellung gehörten eine ganze Anzahl wunderschöner Modelle und Dioramen, die eine Helling, verschiedene Hafenszenen und eine Reeperbahn vorstellten. Das Konzertpublikum wandelte fröhlich plaudernd und respektvoll zwischen den Exponaten auf und ab oder blickte von der kleinen Freitreppe des Haupteinganges über die sparsam gewellte Wiesenlandschaft der Lesumer Schweiz. Pferde grasten in der Abendsonne, Bussarde kreisten. Das Ende der Pause wurde durch das freundliche Nicken der Kassendame angedeutet. Wer es nicht hatte sehen können, dem vermittelte es sich athmosphärisch, und gemächlich nahmen alle wieder ihre Plätze ein</p>
<p class="MsoNormal"><!--[if gte mso 9]&gt;  Normal 0 21   false false false        MicrosoftInternetExplorer4  &lt;![endif]--><!--[if gte mso 9]&gt;   &lt;![endif]-->Ravels Klaviertrio a-moll</p>
<p class="MsoNormal">Meist kommt es in einem Konzert darauf hinaus, daß das erste Stück noch in unserem eigenen Rauschen untergeht. Wir sind &#8211; nicht selten im Wortsinne &#8211; noch nicht recht angekommen, die Kleidung drückt irgendwo, wir halten noch nach Bekannten Ausschau, kramen nach einem Pfefferminzbonbon, das uns womöglich aus einer Verlegenheit helfen soll, kurz, der eigene Leib und der eigene Geist sind noch erheblich lauter als ein Sinfoniekonzert es je sein könnte.</p>
<p class="MsoNormal">Thomas hatte sein ganz eigenes Hindernis dergestalt, daß er befürchtete, sein Schlucken möge hörbar sein. Er war die ersten ein bis zwei Sätze eines jeden Konzertes damit beschäftigt, dieses verhaßte Schlucken zu unterdrücken. Sein Speichel sammelte sich immer weiter vorn in seinem Munde und die Zunge drückte nach oben gegen den Gaumen. Thomas’ gesamtes Bewußtsein wanderte in diese warme Speichelblase, bis sich der Schluckreflex nicht länger unterdrücken ließ und sich als krampfhaftes Zucken von den Ohren bis zum Hals entlud. Seine Fliege drückte, ja flatterte förmlich, wie er meinte, gegen den Hals, und er suchte aus den Augenwinkeln nach möglichen Reaktionen der Umsitzenden. Nichts geschah. Eine andere Möglichkeit sah er zeitweise darin, den Unterkiefer so entspannt wie möglich zu lassen, um den Speichel gleichmäßig, idealerweise eben ohne Schlucken, den Hals hinunterrinnen zu lassen. Auch hier war ihm kein Erfolg beschieden. Manchmal versuchte er herauszubekommen, ob das Schlucken seiner Nachbarn hörbar war, um einzuschätzen, wie laut sein eigenes sein mochte. Aber hier spielte ihm natürlich der Lärm, den sein eigener Körper ihm bereitete, einen Streich, sodaß er vom etwaigen Lärmen anderer nie etwas in Erfahrung bringen konnte. Natürlich lag die Lösung darin, sich auf etwas anderes zu konzentrieren und den Dingen ihren Lauf zu lassen, aber bekanntlich ist es kaum möglich, an etwas bestimmtes nicht zu denken. Erst wenn die Musik seine volle, oder wenigstens beinahe volle Aufmerksamkeit bekam, konnte sein Bewußtsein sich von diesem kleinen Gebrechen ablösen. Ob er dann noch geschluckt hatte, konnte er naturgemäß hinterher nicht mehr sagen; erst der Beginn des nächsten Konzertes erinnerte ihn wieder an sein Leiden.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der dritte Satz, die Passacaille begann mit einem vorsichtigen Tasten des Klaviers (blöder, unfreiwilliger Kalauer!) in einem unergründlichen Baß. Erst als das Klavier an das Cello übergab, wurde klar, daß gerade dies Tasten Thema des Satzes sein würde. In der Cellostimme erschien die kleine Melodie Thomas wie eine Kerzenflamme (Kerze auf dem Flügel?), die, von Dunkelheit umgeben, alle Blicke auf sich lenkte. Sie blieb auf einem Punkt und bewegte sich doch wie in einem Lufthauch, wurde nun, da das Thema nach oben stieg, größer und intensiver, nahm sich wieder zurück und erlosch in dem Moment, da das Thema wörtlich, aber in höherer Lage von der Violine wiederholt wurde. Die drei Stimmen sangen alsdann gemeinsam, steigerten sich zu einer Lautstärke, die Thomas dieser Besetzung niemals zugetraut hätte – und dann geschah das Unfaßliche: In einer abschließenden, ganz leichthändigen Geste, löste das Klavier den Klang ins Nichts auf, sodaß die Töne gleichsam in einer Luftblase zur Saaldecke stiegen. Thomas starrte fassungslos auf die Musiker, die jetzt den Satz in beschwichtigenden Tönen zu beenden suchten. Doch für Thomas war das Gehörte nicht ungeschehen zu machen und irritiert blickte er für einen Moment nach oben, als sei der Satz tatsächlich dorthin entschwunden.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">„Final (Animé)“ stand als 4. Satz auf dem Programmzettel. Das konnte nur eine zerstörerische Zurücknahme aller Verheißungen sein, die er gerade empfangen hatte. Nein, das wollte er jetzt um keinen Preis hören. Die Violine mußte zwischen den Sätzen nachgestimmt werden – ein glücklicher Zufall, für ihn ein Zeichen zum Aufbruch! Er drückte den Programmzettel seiner Mutter in die Hand, die ihn entsetzt ansah und war noch geistesgegenwärtig genug, ihr das Zeichen für „jetzt nicht klatschen!“ zu machen, bevor er mit entschuldigendem Blick hastig den Saal verließ. Er drückte so leise wie möglich die Klinke der Glastür herunter, die über einen Windfang nach draußen führte und stand endlich auf dem obersten Treppenabsatz der kleinen Freitreppe, die zum Ausgang des Schloßgeländes führte. Er atmete tief durch, aber leider schon deshalb, weil er meinte, dies tun zu müssen, denn längst hatte sein Bewußtsein ihn eingeholt und begann, ihn hämisch zu fragen, was er denn hier eigentlich wolle. Doch so schnell wollte Thomas sich nicht irre machen lassen; so leicht sollte das, was sich ein klein wenig nach Aufruhr angefühlt hatte, nicht von seinem lästigen Verstande wieder erstickt werden. So lief er denn so entschlossen wie unter diesen Umständen nur möglich auf den Schloßteich zu. Dort stand ein Graureiher auf Fischfang am Ufer, hier störte er, also weiter. Um den Teich herum gejagt, fort von den quakenden Enten, hinüber zur Wassermühle, die dem Schlosse auf dem jenseitigen Teichufer gerade gegenüberlag. Auf der Brücke über dem Wasserfall zu Mühle verharrte er, unter sich das Mühlrad, gegenüber das Schloß, das sich mit seinen erleuchteten Fenstern wunderbar gegen die Abendwolken lehnte, dazwischen die Seerosen auf dem Teiche. Ein Ort zwischen Schubert und Poe, dies bemerkte Thomas sofort. Doch empfand er weder dessen Schönheit noch das Unheimliche. Auch den Versuch, im Affekt zu handeln, hatte er weitgehend aufgegeben. Ein wenig Stolz darüber, so weit gekommen zu sein, blieb noch und den konnte er noch solange auskosten, bis seinem Bewußtsein auch dieser Fluchtversuch auffiel.</p>
<p class="MsoNormal">Er überlegte, wie lange es wohl schicklich sei, vor Ergriffenheit über ein Musikstück dem Konzert fernzubleiben? 5 Minuten? 10? Sollte man gar nicht zurückkehren? Was mochte da üblich sein? Er sah auf seine Taschenuhr. Doch zum einen hatte er Angst, auch diese Geste könnte in der gewählten Umgebung abgeschmackt wirken, zum anderen war es vollkommen sinnlos, da er natürlich nicht wußte, wann er den Saal überhaupt verlassen hatte. Er meinte Beifall zu hören. Dann war jetzt Pause. Eine gute Gelegenheit, zurückzukehren.</p>
<p class="MsoNormal">
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		<title>Kammerkonzert : Zusammenfassung</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 08:20:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lesum</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Kammerkonzert Kammerkonzert in einem kleinen Wasserschloß, etwa Mitte der siebziger Jahre. Es erscheint das Bürgertum der Gegend. Menschen, die – solange sie sich unter ihresgleichen wähnen – sehr liebenswürdig sind, mit einem Hang zur Bildung, häufig selbst musizierend, lauschen einem Trio aus örtlichen Musikprofessoren. Ein vierzehnjähriger Junge, Thomas, mit seiner Mutter ist unter den Zuhörern. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=39&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kammerkonzert<br />
Kammerkonzert in einem kleinen Wasserschloß, etwa Mitte der siebziger Jahre. Es erscheint das Bürgertum der Gegend. Menschen, die – solange sie sich unter ihresgleichen wähnen – sehr liebenswürdig sind,  mit einem Hang zur Bildung, häufig selbst musizierend, lauschen einem Trio aus örtlichen Musikprofessoren. Ein vierzehnjähriger Junge, Thomas, mit seiner Mutter ist unter den Zuhörern.<br />
Die Mutter entstammt sehr einfachen Verhältnissen, ist aber in der Nähe und unter Einfluß dieses Bürgertums aufgewachsen und hat zu ihm ein höchst zwiespältiges Verhältnis. Sie verachtet es, weil sie sich stets abgewiesen fühlt, und sich selbst verachtet sie dafür, daß sie dennoch dazugehören möchte. Es bleibt unklar, was sie in diese Konzerte treibt, denn sie hat stets ein wenig Angst vor ihnen, weiß sie doch nicht, wie sie sich verhalten soll. Sie fühlt sich beobachtet, obwohl niemand sie wahrnimmt. Sie meint, sie müßte „etwas von Musik verstehen“, um zuhören zu können; das hindert sie daran, einfach zu lauschen.<br />
Thomas mag den Raum, die Umgebung. Er hat ein Faible dafür, Dinge zu tun, die sehr altmodisch sind. So zu tun, als sei „man“ seit Generationen in diese Konzerte gegangen, gibt ihm ein Fundament, das er sonst überall an sich vermißt. Er kann sich etwas sicherer in dieser Gesellschaft bewegen, und ist ansatzweise fähig, die Musik einfach zu genießen. Ein Stück des Programms (die Passacaglia aus Ravels Klaviertrio) berührt ihn sehr tief, so daß er nach diesem Satz fluchtartig den Raum und das Gebäude verläßt. Ein kleiner Aufbruch ins Nirgends sind beide, das Musikstück und sein Verhalten &#8211; insofern verhält er sich geradezu konsequent, doch findet er sich etwas peinlich berührt zwischen quakenden Enten am Schloßteich wieder, und muß nun einen modus vivendi finden, sich wieder, nach sehr kurzem Ausbruch, in die Gesellschaft einzugliedern.</p>
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		<title>Die Geschichte der Villa und der Fabrik Kränholm</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Sep 2008 15:06:03 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Baron Knoop]]></category>

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		<description><![CDATA[Kränholm.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=26&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.sankt-magnus.de/Kr%E4nholm.html">Kränholm</a>.</p>
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		<title>Bloch zu Heimat</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Sep 2008 12:53:07 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bloch]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst]]></category>
		<category><![CDATA[Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>

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		<description><![CDATA[etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat“ (Bloch, 1954-59: 1628) Wikipedia zu Ernst Bloch<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=13&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat“ (Bloch, 1954-59: 1628)</p>
<p>Wikipedia zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch" target="_blank">Ernst Bloch</a></p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/lesum.wordpress.com/13/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/lesum.wordpress.com/13/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lesum.wordpress.com/13/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lesum.wordpress.com/13/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=13&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>St. Magnus</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Sep 2008 12:33:31 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[St. Magnus]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>und hier geht&#8217;s nach <a href="http://www.sankt-magnus.de/" target="_blank">St.Magnus</a></p>
<br /><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/lesum.wordpress.com/6/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/lesum.wordpress.com/6/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/lesum.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/lesum.wordpress.com/6/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lesum.wordpress.com&amp;blog=4688889&amp;post=6&amp;subd=lesum&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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